oh so famous

„Stier!“ begrüsste ein Kindikollege meine Tochter morgens im Kindergarten. „Meinte er das Wort „Stier“, dass wir früher auch benutzt haben?“, fragte mich mein Mann abends. Ich habe nicht die leiseste Ahnung, aber es wäre auch eine gute Antwort auf die Frage „Alles gut?“:) Genauso wie „living the dream!“ auch ziemlich passend wäre.

„Mama, du siehst mit offenen Haaren so harmlos aus!“ Ein morgendlicher Kommentar einer Tochter zu meinen abstehenden, ungekämmten Haaren, wer hätte das gedacht? Ich sah wirklich harmlos aus, in Wirklichkeit bin ich aber nicht harmlos, sondern famo(u)s.

Perfekte rhetorisch und psychologisch wunderbar ausgefeilte Überleitung zu meinem nächsten Erlebnis. FAMOUS. Ich war bei der Jubiläumsfeier des Hänssler Verlages eingeladen, 100 Jahre ein Verlag, der das Ziel hat, das Evangelium in all seiner Schönheit in verschiedensten Facetten in die Welt zu tragen. So lange schon. Wow. Herzlichen Glückwunsch!!Es war total aufregend und interessant. All die vielen Leute, von denen ich vielleicht 3 ein bisschen kannte. (Naja, ein paar mehr waren es vielleicht schon.) Viele bekannte christliche Künstler und Autoren und Leute mit einem wichtigen Amt in Kirche und Gesellschaft. Und mitten drin Sarah, Tochter Gottes an Tisch 1 !!! Gott sei Dank durfte ich Andi mitnehmen, mein fleischgewordener Fels in der Brandung. Ich sollte nämlich auch auf der Bühne meinen Beitrag leisten, bei einer Talkrunde als „junge Autorin“. Here we go:

Black is beautiful

famous“ war der Kommentar zu diesem Bild von meiner Schwägerin AKL. „Ein bisschen berühmt ist doch auch cool“, der Kommentar meiner Schwägerin Monika. (https://www.baliederle.de/)

famous. berühmt. will. ich. sein.

Oder?

Tief in mir schlummert schon immer der Wunsch danach, berühmt zu sein. Auf der Bühne zu stehen und vor anderen zu sprechen. Mein größter Traum ist es, einen Einfluss auf das Leben anderer Menschen zu haben. Nicht sie zu manipulieren, zu lenken, überreden, bearbeiten, sondern ihr Herz zu berühren. Das Herz Gottes in andere Menschen hineinzulegen. Und das, wenn möglich in so viele Leute, wie es nur geht.

Vielleicht schlummert so ein bisschen der Wunsch danach berühmt und bekannt zu sein, in jedem von uns. Bewundert, begehrt, verehrt, beneidet und angeschaut zu werden. Deshalb lieben wir auch die sozialen Medien so sehr, wir sind befreundet und verfolgt (:)) von so vielen Menschen, die wir noch nie im Leben gesehen haben und sie „kennen“ uns. Und wenn sie uns einen „Daumen hoch“ oder ein „Herzchen“ geben, finden sie uns auch noch toll!!!! Hammer! Das heißt, wenn ich nur genug gute Fotos schießen kann und schöne Bilder online stelle, bin ich ein bisschen famous. Ich fühle mich gut, schön, geliebt und wichtig. Es ist wohl bewiesen, dass dieses Hochgefühl tatsächlich körperlich vergleichbar ist, wie wenn ich in echt etwas Tolles erlebe. Nur viel viel kürzer und dann brauch ich gleich wieder mehr davon. (Nennt man auch Sucht)

Die Frage ist ja: Für was möchte ich denn berühmt sein?

  • Dafür, dass ich mich schminken kann, stylo Klamotten kaufen kann und in eine tolle Pose stellen kann?
  • Möchte ich für ein Produkt berühmt sein, dass ich herstelle oder verkaufe? Für ein Werk meiner Hände: Eine CD, ein Buch, ein Geschäft, eine Marke?
  • Oder möchte ich berühmt sein für das, was ich und wer ich bin? Meinen Beruf, meine Errungenschaften, meine Auszeichnungen, meine Abschlüsse? Damit ich mich wichtig und gut fühle, um das Loch in meinem Inneren zu stopfen?

Ihr versteht ja schon, auf was ich hinauswill, oder? Ich weiß es grad allerdings selber nicht mehr so richtig….:) Es soll auf jeden Fall zum Nachdenken anregen. Warum will ich denn berühmt sein? Wer soll mich kennen? Warum will und brauche ich den Applaus und die Anerkennung von Leuten? Welches Loch gibt es da vielleicht in mir drin?? Fühle ich mich ohne die „Likes“ von fremden Leuten nicht wichtig und wert-voll? Dann ist das wirklich ein Grund tiefer zu gehen und herauszufinden, was da eigentlich mit mir los ist…

Du bist geliebt, ganz genau so, wie du bist. Egal wo auf dieser Welt du im Moment sitzt oder liegst, Gott könnte dich nicht mehr lieben, als er es schon tut. Egal, ob Menschen dich toll und schön finden oder nicht. Komplett egal, wie dein Auftritt im Internet oder in der realen Welt aussieht oder ob du nur zuschaust. Gott sieht dich ganz genau. Er freut sich total über dich. Er möchte dir seinen Frieden schenken, und die tiefe Gewissheit, dass du gut bist, so wie du bist. Ruhe für deine Seele. Er hat das Lebenswasser, dass deine innere Leere füllen kann, nur er. Nichts anderes wird funktionieren.

„the light that shines the furthest, shines the brightest at home.“ von einem berühmten american Bruder Bill oder Kris hab ich das. Und es ist die Wahrheit. Übersetzung: Das Licht, dass am Weitesten scheint, scheint am hellsten Zuhause.

hier möchte ich wirklich berühmt sein

All die Berühmtheit, die jemand hat, wenn er vor Menschen oder auf einer Bühne steht, ist nichtig, wenn seine Leute zuhause nicht zu ihm aufschauen. Dein Ehepartner, deine Kinder. Wir sollten danach streben, vor den Menschen berühmt zu sein, die uns am Nächsten stehen. Unseren Nächsten, wie Jesus sagt. Bei ihnen zeigt sich, ob wir wirklich berühmt sind, für unsere Liebe, unsere Geduld, unsere Zeit, unsere Sanftmut, unsere Treue, unseren Glauben, unser Reden. Wenn wir zuhause scheinen, wird dieses Licht sehr weit reichen.

Und da muss ich noch etwas dazufügen, obwohl es schon so viel Text ist….aber es ist so passend!!!:

Meine lieben Mamas! Ihr seid dieses Licht und diese Berühmtheiten, die zuhause strahlen. Tag für Tag und Nacht für Nacht! Danke, dass ihr eure Lichter scheinen lasst. Jesus sieht euch und freut sich so mega über euch. Er lehrt euch sooooo so viel durch eure Kinder und bündelt euere Leuchtkraft, damit es später noch strahlender ist, als zuvor! Danke für eure Arbeit und Liebe!!! Ihr seid wirklich famous !!!!

So lasst euer Licht leuchten vor den Leuten, damit sie eure guten Werke sehen und euren Vater im Himmel preisen.“ Matthew 5, 16 (manchmal muss es der Coolheit wegen Englisch sein:)

Ahh, und hier kommt noch die Moral von der Geschicht. ….dass sie euren Vater im Himmel preisen…dafür möchte ich berühmt sein. Meine Gaben und Talente einsetzen. Nicht um meinetwillen, sondern um seinetwillen. Damit ER berühmt wird in dieser Welt. Und er sagt, wer im Kleinen treu ist, den setzt er über Größeres. Zu seiner Zeit. Zu seiner Ehre. Amen.

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